Rainer Wochele

Leser- & Pressestimmen: "Sand und Seide"

Denis Scheck, Deutschlandradio

“Mit Romanen wie ‘Das Mädchen, der Minister, das Wildschwein’, ‘Der Flieger’ und der “General und der Clown’ hat sich Wochele einen Ruf als gleichermaßen engagierter wie formbewusster Autor erarbeitet.”

***

Radio Bremen

Der norddeutsche Sender hat “Sand und Seide” zum mehrfach gesendeten Buchtipp der Woche erkoren. Darin heißt es:

“Eine Liebesgeschichte. Eine Frau, ein Mann. Passen eigentlich nicht zusammen. Eigentlich. Sie: Toughe Karrieristin aus der Großstadt, er frustrierter Outdog aus dem Straßengraben. Wie soll das gut gehen? Wie soll das überhaupt gehen? Ein Paar wie Sand und Seide. So auch der Titel des neuen Romans von Rainer Wochele. Hans-Heinrich Obuch über ‘Sand und Seide’…

Sie…, sie ist auf der Flucht – auf der Flucht vor den Steuerbehörden. Dreck am Stecken. Aber das wird sich schon einrenken. Hofft sie. Erstmal aber will sie nur weg! Eine Geschäftslady, die auch in der Not Contenance bewahren möchte, die sich auch angesichts einer großen Niederlage noch als “Herrin des Geschehens” fühlt, die Chefin bleiben will. Sie will weiter die Rolle des edlen Wesens, der eleganten Frau spielen. Sie sieht sich immer noch als Luxusweib, auch wenn ihre Attraktivität gerade arg unter der vrasanten, hektischen Fahrt leidet…

Und dann begegnet sie ihm am Straßenrand: einem Loser, einem heruntergekommenen Mitdreissiger, also in ihrem Alter. Ungepflegt, aber nicht unästhetisch. Der Charme des verwegenen Zynikers blitzt bei ihm auf. Er wirkt bei aller Ruppigkeit anziehend auf sie. Die beiden gehen nicht pfleglich miteinander um. Verbaler Schlagabtausch mit Wortwitz, die beiden schonen sich nicht, starke Persönlichkeiten im Psychoduell. Und immer auch Nähe, zunächst nur seelisch, körperlos, dann aber…

Ein Kammerspiel in freier Wildbahn. Das massive Aufeinandertreffen zweier Alphatiere, die sich ihre Schwächen nicht eingestehen wollen. Eine Frau, die auf Sieg programmiert ist, und ein Mann, der seiner Lebenskrise mit nahezu professionellem Sarkasmus begegnet. Zwei Menschen, die abhängig sind von den Erwartungen einer Gesellschaft, die offensichtlich nur die Gewinner liebt. Eine Gesellschaft, die Verlierer bestenfalls mal gerade erträgt. Rainer Wochele erzählt uns die spannende Geschichte eines kurzweiligen, aber anstrengenden, schwierigen Paares. „Sand und Seide“, aber auch Feuer und Wasser. Wochele schildert ihre intensive Begegnung in einer vibrierenden Sprache – mal zupackend, aggressiv, schwül, mal sanft, voller Sehnsucht und Hingabe. Sand und Seide – eine eindringliche Beziehungsstudie. Wie gesagt: eine Liebesgeschichte, aber nicht unbedingt eine Urlaubslektüre für Frischverliebte…”

***

SWR2, Südwestrundfunk: Musik und Literatur

„Wocheles Romane und Theaterstücke bestechen durch politische aktuelle Themen, die meist mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie abgehandelt werden. Und das lässt sich auch von seinem neuen Roman „Sand und Seide“ feststellen (…).

Rainer Wochele hat mit seinem Roman die Realität unserer heutigen Berufswelt auf den Punkt gebracht: Leistung garantiert nicht unbedingt auch Erfolg.(…)

‘Sand und Seide’ porträtiert das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Welten – fast ein Clash der Zivilisation. (…)

Am Ende entsteht so etwas wie eine Liebesgeschichte. (…)

„Wocheles Roman überrascht immer wieder mit solchen unerwarteten Wendungen. Vor allem gelingt es ihm, dem Leser die so unterschiedlichen und doch einander näher kommenden Charaktere persönlich nahe zu bringen. Selten wird aus der Außenperspektive berichtet. Immer befindet man sich in der Gedanken – und Gefühlswelt einer der beiden Protagonisten. (…)

Raffiniert gestaltet Wochele die unterschiedlichen Mentalitäten.“

***

Deutschlandfunk, Büchermarkt

“Das Kammerspiel beginnt, Zuschauer ist die Natur: Wolken, Wald, Vögel, Ameisen. Wie auf einer Bühne kreisen die beiden nun, Mann und Frau, umeinander, loten sich aus. (…)

Rainer Wochele hat aus einem Theaterstück einen Roman gemacht. Das merkt man, denn sein Roman weist die typischen Merkmale einer antiken Tragödie auf: die Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Aber er schildert seine beiden Figuren vor allem durch Innensichten, durch Monologe. Zuerst nehmen die beiden den jeweils anderen als Repräsentanten der gegensätzlichen Gesellschaftsschicht wahr, aber je mehr sich die Lage zuspitzt – sie wird mittlerweile von der Polizei gesucht -, müssen beide, – die erotische Spannung macht es möglich -, ihre Bilder revidieren und den anderen als Menschen und nicht als Projektionsfläche wahrnehmen. (…)

Das Ende ist … kein Happy end. Auf dieses läuft der Roman zwar hinaus, aber es ist seine Qualität, dass dies der Autor vereitelt.”

***

medien profile, Rezensionsdienst der Katholischen Kirche für öffentliche Büchereien

“Packend ist auch die Erzählstruktur: eine stets nach längeren Abschnitten wechselnde erzählerische Perspektive, die den Gedankenstrom der Protagonisten abbildet. (…) Einsatz eines wahren Wortfeuerwerks auf verschiedenen Sprachebenen und letztlich ein unerwartetes Ende – ein wahrlich meisterhaft zu nennendes Buch von höchster gesellschaftlicher Aktualität.”

***

Esslinger Zeitung

Unter der Überschrift “Die Ähnlichkeit der Unähnlichen” heißt es unter anderem:

“An einer Straßenbaustelle mitten im Bayrischen Wald treffen die erfolgreiche Modedesignerin und Labelchefin Dr. Dorothee Dürr und der aus der Gesellschaft gefallene, ehemalige Computerspezialist Horst ungewollt aufeinander. Sie befindet sich auf der Flucht vor der Steuerfahndung …

An einer Baustelle bleibt sie mit ihrem Porsche in einem Sandloch stecken, begegnet dem Aussteiger, der in unmittelbarer Nähe campiert. Während sie um seine Hilfe buhlt, verortet er in ihr eine Vertreterin der Führungselite, die seinesgleichen aus dem Leben schubst. Ein Ringen um Macht beginnt, beide versuchen, den jeweils anderen zu unterwerfen. Sie versucht durch Geld und ihren Sexappeal, ihn für ihre Belange einzusetzen: Er soll ihr helfen, den Wagen wieder auf die Straße zu bringen. Er denkt nicht daran, spinnt sich stattdessen in erotische Erpresserphantasien hinein …

Und obwohl die vermeintlichen Unterschiede zwischen den beiden nicht größer sein könnten, wird Abneigung langsam zu Begierde. Sie kommen sich näher, erst körperlich, dann fällt auch die Kruste von den verwundeten Seelen. Alte Verletzungen brechen auf, die beiden versuchen, sich Halt zu geben, entwickeln sogar so etwas wie eine gemeinsame Zukunftsvision. Nur kurz sieht es so aus, als könne es ein Happy End geben. Doch das wäre in diesem Fall eine Enttäuschung.

Rainer Wocheles Roman ‘Sand und Seide’ erinnert im Aufbau an eine Kammerspiel. Es gibt nur einen Handlungsort, zwei an der Geschichte beteiligte Personen, der Rest ist Kulisse. Durch sich wiederholende Naturbilder wird die jeweilige Stimmungslage beschrieben, Wolkenformationen, Bäume, die Geräusche des Waldes werden zu atmosphärischen Mittlern.

Der Autor lässt zwei Vertreter unterschiedlicher Gesellschaftsschichten aufeinander prallen, was als Parabel für die sich immer weiter ausdehnende Kluft zwischen Arm und Reich verstanden werden könnte. Der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben, die Protagonisten rechtfertigen ihre Standpunkte selbst, und dem Leser bleibt die Entscheidung, auf welcher Seit er steht, selbst überlassen. …

‘Sand und Seide’ ist eher ein Psychogramm zweier in der Not aufeinander Zutreibender als ein ‘Deutsches Sittenbild’, wie es der Klappentext verspricht. Für Freunde anspruchsvoller Literatur dürfte dies jedoch zweitrangig sein.”

***

Kultur-Joker, Freiburg

Unter der Überschrift “Zugespitzte Grenzsituation – ‘Sand und Seide’: ein neuer, brisanter Roman von Rainer Wochele führt der Marbacher Schriftsteller Peter Frömmig in seiner Rezension unter anderem aus:

“Die Geschäftsfrau ist auf der Flucht, verdächtigt der Steuerhinterziehung, will über die Grenze, Brünn ist nicht weit. Übrigens die Stadt, in der der schon lange in Stuttgart leben de Schriftsteller Rainer Wochele 1943 geboren wurde. Mit seinen Romanen, für die er sich immer viel Zeit nimmt, die akribisch erarbeitet sind, gehört er zu der selten gewordenen Gattung politisch engagierter Schriftsteller. Aber er ist auch einer, der ein hohes ästhetisches Niveau halten kann, der zu einer Sprache gefunden hat, die mit seinem lebhaften Temperament übereinstimmt. Eine Sprache, die mehr der Sinnlichkeit und Körperlichkeit verpflichtet ist als dem trockenen Nachdenken. Eine Sprache, die bisweilen heitere, fast tänzerische Züge annimmt und dadurch einen Ausgleich schafft zur Gewichtigkeit seiner Stoffe, diese aber nie verrät. Im Gegenteil zeigt Wocheles Verfahren nur deutlicher die Fallhöhe zwischen Glück und Unglück menschlicher Existenz. (…)

Bei aller Problematik seiner Themen verfällt Wochele nie ins Belehrende, Anklägerische. Er hat die heute seltene Gabe, Gesellschaftsromane zu schreiben. Sein Anliegen ist es, soziale und politische Missstände aufzuzeigen, ihre Folgen für den Einzelnen und das Zusammenleben. Jedoch nicht mit einem kalt sezierenden Blick, sondern mit Emphase, mit emotionaler und psychologischer Durchdringung. Was Wochele antreibt, ist pure Menschlichkeit.

Solches bestätigt sich auch in dem Roman ‘Sand und Seide’. Durch die geschickt in die Handlung eingewobenen inneren Monologe der beiden Figuren tun sich umfassende Erfahrungswelten, Innenräume und Abgründe auf. Wochele verdichtet die Handlung auf engstem Raum, was er noch nie getan hat. Auch nicht in dieser detailliert und lebendig beschriebenen Naturnähe. Gerade durch die elementar vermittelte Umgebung gewinnt das existenzielle aufeinandertreffen von Mann und Frau magische Kraft. Nach der zuerst schroffen, dann zunehmend erotisch aufgereizten Annäherung, kommt es zur Erkenntnis von Gemeinsamkeiten und schließlich zu einer wahren menschlichen Begegnung …”

***

Heilbronner Stimme

“In irgendeinem hinteren Winkel im Bayerischen Wald ist sie gestrandet, buchstäblich. Mit dem Porsche im Sandloch einer Baustelle stecken geblieben, weit und breit kein Mensch. (…) Und dann taucht doch noch einer auf. Er sieht gut aus, ist aber ziemlich abgerissen und offensichtlich am untern Ende der sozialen Leiter zu Hause. Dr. Horst Hochtief nennt er sich, der Aufschneider, der mit seinem Zelt im Wald campiert.

Mehr an Reibungsfläche braucht Rainer Wochele nicht, um eine Geschichte zu entwickeln, die sich an sozialen Befindlichkeiten entzündet, aber weit darüber hinausweist. Der Mensch ist mehr als sein Bankkonto, auch mehr als sein äußerer Schein, und doch ist die Bedeutung von Geld und Optik nicht von der Hand zu weisen. Darauf will Wochele in seinem Roman ‘Sand und Seide’ auch gar nicht hinaus, Selbstverständlichkeiten werden nicht infrage gestellt. Doch wie wirken sie auf das Innenleben seiner Figuren, die ja nicht so einfach aus ihrer Haut können.?

Es ist eine seltsame Liebesgeschichte, die Wochele erzählt. Man tastet sich ab, gibt etwas von sich preis, aber nicht zu viel, zieht sich zurück, attackiert, und nach und nach gesellt sich zum Psychospiel eine emotionale Ebene, erotisch geladen, die von Anfang an absehbar war. Wochele geht es nicht um das Ergebnis, das ohnehin offen bleibt, sonder um die Entwicklung, ihre Spannung und Dynamik. (…)

‘Sand und Seide’ bleibt eine aufregende Liebesgeschichte.”

***

Publikationsorgan der EKZ, Bibliotheksservice, Einkaufszentrale der Büchereien

“Eine Modedesignerin bleibt auf der Flucht vor der Steuerfahndung mit ihrem Porsche Carrera auf der bayerisch-böhmischen Grenze stecken. Ein idyllisches Plätzchen, wo sich auch ein gestrandeter Hartz-IV-Empfänger mit seinem Zelt niedergelassen hat. Er soll ihr helfen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen, doch er weigert sich und statt auf ihren gebieterischen Ton einzugehen, dreht er den Spieß um. Er bedroht sie mit einer Pistole. Sie hat alles und er nichts mehr zu verlieren und die Handlung bewegt sich fortan zwischen Katastrophe und Geständnis. Zwischen Hingabe, Reflexion und Zusammenbruch. Ein Schauplatz und 2 Akteure. Umlullt von bayerischer Blasmusik, einem klappernden Mühlrad am rauschenden Bach und diversen Tierstimmen. Scheibchenweise und raffiniert, mal dramatisch, mal zum Lachen lässt der schwäbische Autor Lebensweisen und Lebenswege kollidieren. Ein unaufgesetztes Liebes- und Gesellschaftsdrama, das trotz einiger Sprachexperimente unterhält und literarisch überzeugen kann. Das bisher leichtfüßigste Produkt aus Wocheles gesellschaftskritischer Werkstatt.”
Robert Elstner

***

Hamburger Lokalradio

“Eine Frau und ein Mann. Sie befindet sich gerade im freien Fall, er hat den allmählichen Abstieg schon hinter sich. Wie werden die beiden aufeinander reagieren? Wird er ihr helfen, werden sie sich gegenseitig unterstützen? Man kann diese Konstellation, diese Versuchsanordnung, als ein Kammerspiel in freier Natur bezeichnen. Aufs Papier gebracht hat den Stoff der in Stuttgart lebende Autor Rainer Wochele. Seine Geschichte von Dorothees und Horsts Begegnung liegt als Roman unter dem Titel „Sand und Seide“ vor. (…)

Im Zeitraum von einer Nacht lernen Horst und Dorothee einander kennen. Ihr Verhältnis ist äußerst ambivalent: Ist der Mann unweigerlich gewalttätig oder steckt ihn ihm doch ein Beschützer? Besitzt die Frau Mitgefühl und kann sie ihre Rolle als Firmenboss hinterfragen? Entwickelt sich aus der Zufallsbekanntschaft so etwas wie Anziehung? Oder ist am Ende doch alles nur Berechnung?

Rainer Wocheles Romanfiguren buhlen nicht um Sympathie bei den Lesern. Eher noch zeigen sie die zerstörerischen Kräfte einer entmenschlichten, sich nur auf dass Wirtschaftliche konzentrierende Gesellschaft. Erst in der Extremsituation, im Zusammentreffen der zunächst so verschieden gescheiterten Figuren, zeigt sich wieder die Menschlichkeit. Dass es dennoch nicht zum Happy End kommt, ist das Verdienst des gekonnt beschreibenden und dabei nicht nach einer heilen Welt suchenden Autors Rainer Wochele.”

***

Cannstatter Zeitung

“Sie setzt ihren Porsche in den Sand – an einer Baustelle irgendwo ganz weit draußen, die sie übersehen hat. Er ist bereits versandet, in einem Zelt, gekündigt, Hatz-IV-Empfänger, abgehauen aus der Zivilisation. …
Die rasante Fahrt mit dem flotten Sportwagen, die eigentlich eine Flucht vor der Steuerfahndung ist, nimmt ein jähes Ende. Nun ergibt sich die Annäherung an den intelligenten, jetzt besitzlosen, armen Mann, der aber noch jede Menge Macho-Power in sich trägt und der selbstbewussten Modefrau. Es ist eine Annäherung im Sekundentakt, gespickt mit zahlreichen Assoziationen der beiden, aus denen der Leser Stück für Stück die Umstände und Hintergründe der beiden Personen erfährt. Der Autor zeichnet ein krasses, aber aktuelles Gesellschaftsbild der sozialen Schere, die sich auftut. …

Es knistert von Seite zu Seite in diesem literarischen Gemälde zweier Menschen, die sich scheinbar beharken und sich dann doch wieder ungemein angezogen fühlen voneinander. …
Geschickt wechselt der Autor unmerklich die Ansichten, die Perspektiven. In ihrem Gestrandetsein kommen beide Figuren zum Nachdenken, vollzieht sich ein Akt der Entschleunigung, wird Schicht für Schicht die soziale Geschichte herausgeschält, die Tragödie einer zerrissenen Gesellschaft enthüllt.”

***

Stuttgarter Zeitung

“Wie sich der Machtkampf nun lebensgefährlich mit dem Geschlechterspiel vermengt, wie Mann und Frau nicht aus ihren Erfahrungsräumen ausbrechen können, wie sie immer nur in Managementbegriffen, er immer nur in Vergeltungskategorien denkt – dieses Duell schildert der Autor mit vielen Perspektivewechseln, mit inneren Monologen und einer Rollenprosa, deren Subjektivität ausgebremst wird von kühnen Naturbeschreibungen. ,,,
… Wochele, mit hohem literarischen Bewusstsein arbeitend…”

***

Südkurier

“Er hat den Schalk im Nacken. Unverkennbar. Man muss nur sein Gesicht studieren. Auch wenn er meistens schwerwiegende gesellschaftliche Probleme zum Thema macht, Ironie und Komik ziehen sich durch alle seine Erzählungen. Sehr angenehm ist, dass Wochele trotz des Ernsts seiner Themen Belehrungen vermeidet und manche Fragen unbeantwortet im Raum stehen lässt. (…)

Knitz, öfters augenzwinkernd ist auch das neue Buch geschrieben. ‘Sand und Seide’ behandelt die Kluft zwischen Arm und Reich. Ein ‘Hartzler’, einst hoch dotierter Manager, trifft auf eine Modedesignerin, die mit ihrem Sportwagen auf der Flucht vor der Steuerfahndung ist. Weil er den Dingen gern gründlich auf den Grund geht, hat sich Wochele, der im richtigen Leben einen Ford Ka fährt, natürlich einen Carrera geliehen. Die Spritztour damit schlägt sich im Buch unter anderem in folgender Schilderung nieder: ‘Durch das offene Fenster war zu hören, wie sich das Rollgeräusch der breiten Reifen schön mit der Löwenstimme und dem Mückensirren aus dem Heck verband’.”

Aus einem Porträt des Autors, das unter der Überschrift “Der Geschichtenforscher” in der Wochenendbeilage des Südkuriers, Konstanz, erschienen ist.

***

Leserstimmen

Carmen Kotarski, Lyrikerin, Stuttgart über „Sand und Seide“

Sand und Seide, das lässt Edles ahnen, Luxus. Es verrät noch nichts von gestyltem Elend, so eine kreative Idee, die der smarten Hauptfigur durch den Kopf schwirrt, wenn sie diesen gescheiterten Typen vor sich sieht, der einen Hauch Gestrüpp von Baustellenöden repräsentiert.
Aber ein Ziel hat. Es wird zwischen ihren Brüsten und seiner Pistole enden.
Schönheit und Tod, das große Symbolpaar. Das steckt da drin, selbst in der Realität des Design, der Abzockerei, der sozialen Abstürze. Aber so barock hüpfen hier ansonsten nur die Körperformen der Modechefin, und so romantisch ist nur der plötzlich in Wolkenhöhe gezogene Blick, wenn die beiden auf sich selbst wie auf eine Bühne hinunterzugucken scheinen, völlig ironisches Beschauen eines Paradiesglücks, wenn endlich der Sex passiert ist.
Es ist interessant, dass Rainer Wochele kaum ein Geheimnis um die Handlung aufbaut. Was in dem Roman geschieht, oder vielmehr aufgedeckt wird, findet sehr stark in der Sprache statt, die in den Köpfen der Hauptfiguren rotiert.
Dieser Roman ignoriert nicht die heiklen Entwicklungen, die in der gegenwärtigen Gesellschaft am Werk sind, er tut nicht so, als wären wir in einer anderen Welt, die von den Versehrungen unberührt bliebe, und schon gar nicht so, als wären die inneren Vorgänge davon frei.
Gerade die inneren Monologe sind durchsetzt von den Partikeln einer draußen vorherrschenden Sprechweise, ob beruflicher Jargon, Design-Sprech, Hohlform der Politik, Mainstream der Kleinen. Vielleicht die üblichen Deformationen, die einer durch Gewöhnung kaum mehr wahrnimmt. Doch sie – das wird am Denken, Handeln der Figuren klar – bestimmen die Sicht, was wir wollen, zulassen, hinnehmen.
Damit ist „Sand und Seide“ natürlich ein Plädoyer für die Demokratie, eine Aufforderung, sich dafür genügend wach zu halten.
Rainer Wochele ist eine der erstaunlich wenigen literarischen Stimmen dazu.
Der Text des Romans ist kunstvoll und sehr rhythmisch gebaut. Die Sprache ist kreisend, ein Spielfeld, mit Quer- und Rückpässen, Rainer Wochele behält den Ball nah am Fuß. Wie bei einem passionierten Dribbler, da kommt auch mal eine Drehung zu viel. Auch die Natur lässt er mitspielen, die Wolken, Vogelstimmen, Wassergeräusche. In poetischen sowie ironischen Bildern spiegeln und kommentieren sie, was nicht nur zwischen Zelt und Baustelle, sondern auch im unterschwelligen Bewusstsein der Beiden geschieht. Die sich, und dem Leser, auf einmal näher und liebenswert werden.
Man sieht es kommen, denn es setzt sich in ihrem Denken so etwas wie ein Selbst der Sprache immer mehr durch. In dem verlassenen Fleck des Böhmerwalds, an der tschechischen Grenze, passiert das Unmögliche, dass einer die Welt des anderen begreift. Eine Liebesgeschichte.
Und weil Rainer Wochele in diesem Roman das eine Geschehen im anderen spiegelt, erlebt der Mann, in ihrem Auto rasend und sich vergessend, noch einen heftigen Flow (die Frau fliegt woanders) bevor er unter dem Auto endet, und nur die Liebe selbst irgendwie weitergeht.

***

Michael Hüttenberger, Schriftsteller, Stedesdorf, Ostfriesland, zu „Sand und Seide“

„Vorgestern habe ich ‚Sand und Seide’ angefangen, musste mich die ersten 20 Seiten erst in Deinen Stil einlesen. Dann zog es mich rein in den Text, musste dann nach dem ersten Viertel einen Tag unterbrechen und habs dann heute in einem Zug (ICE von Bremen nach FFM) durchgelesen. Sehr stark, wunderbare Sprachbilder, hocherotisch, die Verlangsamung der Handlung ließ bei mir ein Spannungs- und Ungeduldsgefühl aufkommen, wie zuletzt bei Franzens Korrekturen, erzählte Zeit und Erzählzeit gehen ja fast synchron. Das Ende handwerklich perfekt, Dramakurve in Vollendung, schnell, überraschend und eine überzeugende Mischung aus Tragik und illusionärer Hoffnung. Fragte mich dazwischen, wie man das ohne kitschig zu werden, zu Ende bringen kann, ist Dir gut gelungen. Die beiden Protagonisten überzeugend gezeichnet, absolut lesenswerte Mischung aus Beziehungsspannung und Businesskritik. Ich werds im Februar in unserem Literaturcafe in Esens vorstellen und empfehlen.“

Zurück

Rainer Wochele copyright 2004-2011 ff.